Samstag, 27. Februar 2010

Aufräumen

Viele Menschen, die einen Partner verloren haben, kennen die Schwierigkeit, die persönlichen Dinge des Partners nach seinem Tod zu verschenken oder einfach wegzugeben. Besonders schwer ist es, wenn man eine gemeinsame Wohnung oder ein Haus beweohnt hat. Das Leben muss nun ganz neu gestaltet werden. Aber auch im normalen alltäglichen Leben gibt es immer mal wieder Situationen, in denen wir aufräumen müssen. Wer kennt den Gedanken nicht, ich müsste mal den Keller oder den Speicher aufräumen.
Auch dies sind Situationen des Abschieds und wir in unserer westlichen Kultur sind damit ziemlich allein gelassen. Wir machen es uns nicht klar, dass es ein schmerzhafter emotionaler Abschied ist, wenn wir die Lieblingsbluse, die nun schon sehr ausgewaschen ist, wegwerfen müssen. Zu viele Erinnerungen hängen an den persönlichen Gegenständen. In der asiatischen Kultur ist der Gedanke der Reinigung des Hauses, das space clearing, viel verbreiteter. Es dient dazu, Ballast abzuwerfen, den Geist zu reinigen und viele frische neue Energien zu beleben. Dinge, die lange im Haus bleiben, ohne dass sie benutzt werden, besetzten dennoch viel Energie des Besitzers, sie blockieren oft die Freude und die Spontanität. Ich wünsche mir manchmal, dass wir auch ein Abschiedsritual hätten, das es uns leichter macht, sich von unnützen Dingen trennen zu können.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Abschied nehmen

Wir haben so viele Rituale für den Beginn eines neuen Lebens, eines neuen Jahres, den Beginn einer Partnerschaft, aber wir haben fast keine Rituale für das Ende eines Lebens oder einer Liebe wenn eine Trennung unumgänglich ist. Das einzige Abschiedsritual, das mir einfällt ist die Zahnfee, die einen ausgefallenen Milchzahn mitnimmt und dafür ein Geschenk dalässt. Danach, bis zum letzten Abschied, fehlen uns die Rituale. Unser letztes Abschiedsritual ist in geprägt von religiösen Traditionen so unterschiedlich sie auch sein mögen. Auch ich als weltliche Trauerrednerin bin an dieses Ritual gebunden und es gab in meiner langen Zeit als Trauerrednerin nur einen Abschied, der anders war. Viele der Menschen, die hier zusammen kamen, trugen etwas zur Feier bei. Es waren Lieder, Gedichte, persönliche Worte des Erinnerns. Während der Abschiedsfeier gab es eine Zeit, in der die Trauergäste miteinander Erinnerungen austauschen konnten. Ich möchte diese Form nicht als Standard erheben, doch das Erlebnis hat mir gezeigt, dass wir eher hilflos und suchend sind, wenn wir neue Formen des Abschiedsnehmens ausprobieren wollen.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Wenn ein Kind stirbt

Es ist wohl das traurigste überhaupt wenn ein KInd vor den Eltern stirbt. Wenn es dann sorgar stirbt, kurz nachdem es geboren wurde, ist das Leid fast unerträglich. Neun Monate Freude, Hoffen, Bangen haben die Eltern bis zur Geburt getragen. Es ist eine schöne aber auch eine beschwerliche Zeit für die Eltern. Das ganze Leben wird auf den neuen Ankömmling abgestellt. Doch dann geschieht es. Das Kind wird geboren und es lebt nicht einmal 24 Stunden. Manchmal kann auch alle medizinische Versorgung das Leben nicht retten.
Ein besonderer Schock wartet noch auf die Eltern, Kinder die unter 500 Gramm wiegen, werden noch nicht einmal beerdigt. Die deutschen Bundesländer haben alle eigene Bestimmungen, aber die Grenze von 500 Gramm ist ziemlich einheitlich. Es gibt Initiativen und ganz selten ein Beerdigungsinstitut, das sich über diese Bestimmungen hinwegsetzt. Ich wünsche allen Eltern, die dieses Schicksal erleiden müssen, dass Sie es schaffen, dieses Kind würdig zu beerdingen.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Zu erledigen

Wenn ein Trauerfall eintritt, befinden sich die Angehörigen fast immer in einem Ausnahmezustand. Sie müssen nicht nur mit der Trauer, die sie überfällt, fertig werden. Es sind auch ganz viele Aufgaben zu bewältigen. Ich stelle Ihnen ein paar Informationen zusammen, die Sie dann in gebündelter Form unter dem Punkt zu erledigen finden.
Viele Menschen wünschen sich zu Hause im Kreise der Familie zu sterben. Sie wünschen sich in einer gewohnten Umgebung einen würdevollen Abschied. Und wenn die Familie sich als stark genug empfindet, diesen Weg mitzugehen, dann ist es sicher für alle zusammen ein besonderes inniges Erlebnis.
Was die Familienangehörigen meistens nicht wissen, ist, dass der Notarzt, der gerufen wird, um den Tod festzustellen, gesetzlich verpflichtet ist, die Polizei zu verständigen. Es werden zwei Polizeibeamten kommen und Fragen über den Verstorbenen bezüglich seines Ablebens stellen. Diese Beamten sind meistens nicht auf ihre Aufgabe vorbereitet und befinden sich nicht so oft in der Situation. Wenn alle Beteiligten sich mit Respekt und Einfühlungsvermögen begegnen, dann wäre sehr viel gewonnen.

Montag, 16. November 2009

der Anruf

Noch einmal Pascal Mecier mit seinem Buch „Nachtzug nach Lissabon“ Er schreibt: „Es ist ein Irrtum zu glauben, die entscheidenden Momente eines Lebens, in denen sich eine gewohnte Richtung für immer ändert, müssten von lauter und greller Dramatik sein, unterspült von heftigen inneren Aufwallungen. Das ist ein kitschiges Märchen. In Wahrheit ist die Dramatik einer lebensbestimmenden Erfahrung oft von unglaublich leiser Art.“ Dazu gehört auch der Anruf, der einem sagt, dass der geliebte Mensch nicht mehr unter uns weilt. Wenn Sie dieses Tagebuch lesen, dann haben Sie es wahrscheinlich selbst schon erfahren. Es ist ein kurzer Anruf, meist ist nur ein Satz nötig, der bereits erwartet wurde, aber wenn er eintrifft, dann doch so unglaublich ist. Das Gespräch wird mit leisem „Auf Wiedersehen“ beendet und eigentlich ist es so als wäre nichts geschehen und doch zerreißt dieser Anruf das eigene Leben in zwei Hälften, davor und danach.

Mittwoch, 4. November 2009

Lebenswege

In Pascal Meciers Buch „Nachtzug nach Lissabon“ fand ich die wunderbaren Sätze: Von tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und auch diese bloß zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente. Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen, die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und Melodie geben. ... Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem Leben können, was in uns ist, was geschieht mit dem Rest?
Meine Erfahrung ist, dass viele dieser Erfahrungen nur mit wenigen Personen geteilt werden. Es gibt Freunde, mit denen man Sport treibt, oder die Frauen haben Ihren Handarbeitskreis, oder es gibt den Literaturkreis. Bei einer Beerdigung ist es dann oft so, dass alle diese Freunde, die sich vielleicht auch noch nicht kennen, zusammentreffen. In diesen verschiedenen Menschen zeigt sich dann auch die Vielfältigkeit des Verstorbenen. Manchmal ist es für die Trauernden auch schwer auszuhalten, dass der geliebte Mensch noch viele andere Facetten hatte, als jene, mit denen man schon vertraut ist.

Montag, 12. Oktober 2009

Eine schöne Beerdigung

Ich habe vor 4 Wochen eine sehr gute Freundin bei ihrem letzten Gang auf dem Friedhof begleitet, die Trauerrede gehalten und die Zeremonie geleitet. Es war eine schöne Beerdigung, doch was ist eigentlich eine schöne Beerdigung? Meine Vision ist, dass viele Menschen zusammenkommen. Alle, die die Verstorbene gekannt haben, denn jeder und jede hat eine eigene Geschichte mit einem Menschen. Bei meiner Freundin kamen Familie und Freunde zusammen, die sich ja über die Jahre meistens auch schon kannten. Am Grab selbst stiegen 60 Luftballons in die Luft, sie hatte es sich so gewünscht, ein Luftballon für jedes Lebensjahr. Es war ein sehr ergreifender Moment. Kurz, nachdem die Urne eingelassen wurde, stiegen die Luftballons in die Höhe.
Für mich ist eine Beerdigung auch der Moment, indem sich der Verstorbene von dem irdischen Dasein verabschiedet. Wohin er dann geht und ob er zurück kommt, darüber gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Wir, die hierbleiben, haben unseren eigenen Abschied, aber wir begleiten auch diesen Moment des Übergangs bei dem Menschen, den wir loslassen müssen. Wenn das in Respekt und Würde und mit intensivem Gefühl sich selbst und dem anderen gegenüber passiert, dann ist es für mich eine schöne Beerdigung.

Dienstag, 29. September 2009

Trauerrede

Auszug aus einer Trauerrede:
Andreas ganzes Leben war ein Aufbruch, erst aus den engen Grenzen des elterlichen Bauernhauses, dann aus ihrer Ehe in ein Leben mit Frauen, es folgten mehrere Berufswechsel und immer war sie ganz optimistisch und weitsichtig. Ihre Entscheidungen traf sie klug und überlegt bis zum Schluss.

Andrea war sehr vielseitig, man konnte mit ihr stundenlang reden, ohne dass der Gesprächsstoff ausging. Dabei waren es die kleinen Dinge des Alltags, über die wir uns austauschten. Sie hatte eine große Liebe zum Detail, zu den kleinen Freuden. Sei es, dass sie sich über ihre Balkonblumen freute oder über ein gutes Essen, oder über eine Packung Servierten, die sie aus Portugal mitbrachte und so noch eine lange Urlaubsnachfreude genoss. Ihr war ein schelmischer Humor eigen, der gerne auch schon mal provozierte, aber sie respektierte auch die Grenzen ihres Gegenübers.
(P.S. Der Name ist natürlich frei erfunden.)

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