Freitag, 30. Juli 2010

Der Schmerz

Khalil Gibran „ Der Prophet“

Und eine Frau sagte: Sprich uns vom Schmerz!
Und er antwortete: euer Schmerz ist das Zerbrechen der Schale, die euer Verstehen umschließt.
Wie der Kern der Frucht zerbrechen muss, damit sein Herz die Sonne erblicken kann, so müsst auch ihr den Schmerz erleben.
Und könntet ihr in euren Herzen das Staunen über die täglichen Dinge des Lebens bewahren, würde euch der Schmerz nicht weniger wundersam scheinen als die Freude.
Und ihr würdet die Jahreszeiten eures Herzens hinnehmen, wie ihr stets die Jahreszeiten hingenommen habt, die über eure Felder streifen.
Und ihr würdet die Winter eures Kummers mit Heiterkeit überstehen.
Vieles von eurem Schmerz ist selbstgewählt.
Er ist der bittere Trank, mit dem der Arzt in euch das kranke Ich heilt.
Daher traut dem Arzt und trinkt seine Arznei schweigend und still.
Denn seine Hand, obwohl schwer und hart, wird von der zarten Hand des Unsichtbaren gelenkt, und der Becher, den er bringt, ist, obwohl er eure Lippen verbrennt, geformt aus dem Ton, den der Töpfer mit seinen heiligen Tränen benetzt hat.

Montag, 19. Juli 2010

Weinen

Bei einer Beerdigung schießen uns oft die Tränen in die Augen, auch wenn wir später an den Verstorbenen denken, fließen die Tränen. Es tut gut zu weinen, es erleichtert und tröstet. Ich werde oft gefragt, wie ich Trauerrednerin damit umgehe, dass die Menschen, denen ich begegne, so viel weinen. Meistens ist es aber so, dass sich bei einem Trauergespräch Phasen des Weinens von Phasen des Lächelns abwechseln. Wir weinen, wenn wir an den Verlust eines Menschen denken, aber wir schmunzeln auch, wenn wir uns an eine schöne oder lustige Situation mit dem gegangenen Menschen erinnern. Warum wir aber weinen, das hat die Wissenschaft bisher noch nicht herausgefunden. Alle Theorien sind eher beschreibender Natur und keine hält bisher Einwänden stand. Letztendlich ist es aber egal, denn es tut einfach gut, mal die Tränen fließen zu lassen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

vorher Abschied nehmen

Viele Menschen, die meine Seite besuchen, haben bereits einen Menschen verloren. Der Tod des geliebten Menschen zwingt uns dann zu einem endgültigem Abschiednehmen. Doch oft ist es ja so, dass wir unsere Lieben eine lange Zeit vorher begleiten, bevor ein Mensch geht. In dieser Zeit, die ich als ganz wertvoll empfinde, geschieht der Abschied in kleinen Schritten. Ich glaube, besonders schwer ist es, wenn der nahe Mensch sich vielleicht durch Krankheit oder durch seine seelische Verfassung vorher stark verändert. Die Alzheimer-Krankheit ist da nur ein Fall, ein extremer zwar, aber Menschen verändern sich manchmal durch eine Krankheit. Und obwohl jemand noch da ist, mit uns vielleicht den Alltag teilt, ist er doch nicht mehr der, den wir mal kannten. Die Freundschaft oder Liebe zu diesem Menschen zu erhalten ist eine sehr schöne, aber schwierige Aufgabe.

Montag, 7. Juni 2010

unglücklich oder traurig

Wenn wir einen Menschen verlieren, dann sind wir meistens sehr traurig und manche Menschen sind auch unglücklich. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen traurig und unglücklich? Ich glaube dass traurig sein einen Zustand beschreibt, in dem man mit seinem Schicksal Frieden geschlossen hat. Wenn man traurig ist, dann hat man akzeptiert, dass der Mensch gegangen ist, dann kann die Traurigkeit Besitz von einem nehmen und man kann ganz langsam loslassen lernen. Beim unglücklich sein verhält es sich ein bisschen anders. Das Schicksal wird zum Feind des eigenen Lebens. Wir kämpfen gegen unsere Lebenssituation an und hadern mit den Ereignissen, die wir ertragen müssen. Wir wollen es einfach nicht akzeptieren, dass wir einen Menschen hergeben mussten. Auch dieser Zustand hat seine Vorteile, doch der Schmerz, den wir eigentlich empfinden müssten, ist hinter vielen Mauern verborgen. Ich wünsche allen Menschen, dass sie einen guten Weg zur Traurigkeit finden.

Samstag, 15. Mai 2010

Richtig trauern

Jeder, der sich etwas mit der Trauerarbeit beschäftigt hat, kennt wohl die sieben Trauerphasen nach Kübler-Ross. Aber sind diese Phasen auch wirklich für jeden Menschen gleich? Jeder Mensch ist so einzigartig und individuell, dass für jeden die Trauer anders aussieht. Manche Menschen haben Ihre stärksten Trauererlebnisse kurz nach dem Tod des Partners, mache Menschen fangen erst an zu trauern, wenn schon eine gewisse Zeit verstrichen ist. Jeder Mensch verarbeitet diese starken emotionalen Erlebnisse anders und in seinem ganz eigenen Tempo. Deshalb gibt es keinen „richtigen“ Weg zu trauern, auch wenn die Kirche oder die Gesellschaft uns etwas anderes vermittelt. Deshalb haben Sie bitte Mut zu Ihrem ganz eigenen Tempo und Ihrer Art des Trauerns.

Freitag, 7. Mai 2010

Loslassen

Loslassen
Wenn wir einen Menschen verlieren, dann ist wohl die schwerste Aufgabe das Loslassen. Leben bedeutet Veränderung und, was wir alle nicht gerne hören, dass wir auch immer etwas hergeben müssen, um etwas Neues zu erhalten. Wenn wir einen geliebten Menschen hergeben müssen, dann bekommen wir keinen Ersatz dafür. Ein Mensch ist einfach unwiederbringlich und ist durch nichts zu ersetzen. Es bleibt für immer diese Lücke in unserem Leben. Hoffentlich gibt es andere Freunde, die Familie in der Umgebung, doch einen Ersatz für diesen einzigartigen Menschen hwird es nicht geben. Doch manchmal, wenn wir Glück haben, entwickeln sich auch neue Aspekte in dem weiteren Leben.

Dienstag, 6. April 2010

zu erledigen - Gerichtsmedizin

Wir haben ein Gefühl dafür, wie alt ein Mensch werden kann. Das führt auch leider dazu, dass Tötungsdelikte an Menschen über 60 Jahren fast nicht mehr aufgeklärt werden, da niemand sich ernsthaft darum kümmert, warum dieser Mensch gestorben ist. Aber das ist ein anderes Thema. Wenn ein junger Mensch stirbt, dann tritt als erstes die Gerichtsmedizin in Aktion. Mein Bruder ist vor 3 Jahren an seinem 2. Herzinfarkt mit 51 Jahren gestorben. Er war mit dem Fahrrad unterwegs als ihn der Herzinfarkt traf. Spaziergänger haben ihn erst nach Stunden gefunden. Die Ärzte von der Gerichtsmedizin haben eine Autopsie vorgenommen, und dann einen natürlichen Tod festgestellt. Doch es hat sehr lange gedauert, bis wir meinen Bruder danach beerdigen konnten. Es ist für die Angehörigen ein sehr belastender Zustand, wenn die Beerdigung erst nach 2 Monaten, wie bei meinem Bruder, stattfinden kann. Ich wünsche allen Menschen, dass sie nicht in die Situation kommen.

Montag, 15. März 2010

Respekt vor dem Tod

Das wir unsere nahen Angehörigen, Freunde, Kollegen mit einer würdevollen Beisetzung bestatten ist im Sinne der Menschheitsgeschichte eine noch gar nicht so lange Tradition. Die ersten Funde von Begräbnissen sind in Israel vor ungefähr 90 bis 120.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert. Dennoch sind nur ca. 60 Grabstätten für den langen Zeitraum der Frühgeschichte von etwa 100.000 Jahren gefunden worden. Wahrscheinlich wurden am Anfang der Beerdigungen nur Könige und hohe Priester bestattet. Mit der Individualisierung des Menschen hat heute jeder das Recht auf eine würdige Bestattung. Es ist schön, wenn Menschen zusammenkommen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu geben. Es ist ein Respekt vor dem Leben des Verstorbenen, aber auch ein Respekt vor dessen Tod. Umso trauriger ist es, wenn ein Mensch alleine den letzten Weg gehen muss. Vor der Trauerfeier, die ich heute abgehalten habe, wurde ein 75jähriger Mann beigesetzt und niemand stand an seinem Grab. Es hat mich zutiefst erschüttert diese Geschichte zu hören.

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